Nothilfe für die Betroffenen des Erdbebens in der Türkei 2023
Situation
Im Februar 2023 erschütterten zwei verheerende Erdbeben 11 vorwiegend kurdisch-alevitisch bewohnte Städte in der Türkei, mit etwa 100.000 Todesopfern und bis zu einer halben Million Verletzten. Millionen von Menschen haben ihre Häuser und Wohnungen verloren und sind ohne festen Wohnsitz geblieben.
Inzwischen sind über anderthalb Jahre vergangen. Millionen von Menschen müssen immer noch in Zelten und Containern leben, die im Sommer heiß und im Winter eisig kalt sind.
Lösungsansatz und Ziel
Pro Humanitate e.V. war direkt nach den Erdbeben im Februar 2023 eine der ersten NGOs vor Ort und verteilte Zelte, Decken und Lichtstrahler in den Dörfern rund um Adiyaman. Zeitgleich rief Vision:teilen zu Spenden auf, die an den Kölner Verein weitergeleitet wurden.
Nach der ersten Nothilfe wurde entschieden, besonders betroffene, kinderreiche Familien sowie bedürftige Studierende weiterhin zu unterstützen, und zwar durch die Vergabe von Einkaufsgutscheinen und Stipendien.
Ergebnisse
Seit Oktober 2023 werden 55 Familien mit monatlichen Lebensmittelgutscheinen im Wert von 100 Euro und 35 Studierende mit monatlichen Stipendien von jeweils 100 Euro unterstützt.
Die Lebensmittelgutscheine haben den betroffenen Familien spürbare Erleichterung gebracht, doch die Herausforderungen bleiben enorm. Kein Familienmitglied verfügt über eine feste Anstellung, und viele versuchen, als Tagelöhnerinnen und Tagelöhner zu arbeiten. Doch oft fehlen die Möglichkeiten, um ihre Familien ausreichend zu versorgen. Neben der materiellen Not leiden die meisten Familien auch unter einem Mangel an sozialer Unterstützung. Weder staatliche Stellen noch andere Organisationen bieten Hilfe an.
Die finanzielle Unterstützung schafft zwar einen kleinen Spielraum, reicht jedoch nicht aus, um langfristige Stabilität zu gewährleisten. Viele Familien leben weiterhin in Unsicherheit und sind täglich mit dem Kampf ums Überleben konfrontiert. Besonders hart trifft es kinderreiche Familien und alleinerziehende Frauen, die häufig unter prekären finanziellen und sozialen Bedingungen leben.
Die Gründe für ihre schwierige Lage sind vielfältig: Manche Frauen haben Partner, die im Gefängnis sind, während andere durch Trennungen oder den Verlust ihres Lebenspartners, etwa durch Verwitwung, stark belastet sind. Trotz großer Bemühungen, für sich und ihre Kinder zu sorgen, stehen diese Mütter vor erheblichen Herausforderungen.
Ein großes Problem stellt die Versorgung der Kinder mit Schulmaterialien dar. Zwar besuchen viele Kinder die Schule, doch die finanziellen Mittel der Familien reichen oft nicht aus, um die notwendige Ausstattung zu gewährleisten. Aus diesem Grund hat Pro Humanitate e.V. im Juni eine besondere Aktion gestartet, bei der Schulranzen und -materialien verteilt wurden. Auch die Wohnsituation der Familien ist prekär – viele leben in stark beengten Verhältnissen.
Die 35 Stipendien entlasten nicht nur die Studierenden selbst, sondern auch ihre Familien erheblich. Die begünstigten Studierenden sind enorm dankbar für die Unterstützung, die ihnen den Fortschritt ihres Studiums sichert. Viele von ihnen haben den Wunsch, später selbst benachteiligte Menschen zu unterstützen. Dennoch bleibt der Alltag oft herausfordernd, insbesondere angesichts der anhaltenden Inflation, die das Bezahlen grundlegender Lebenshaltungskosten erschwert. Der Studienabschluss gibt diesen jungen Menschen jedoch die Chance, ihre Lebensumstände langfristig zu verbessern und ihre Familien in Zukunft zu unterstützen.
Pro Humanitate e.V. wird beide Projekte auch im Jahr 2025 fortführen und ist daher für jede noch so kleine Spende dankbar. Diese können direkt an den Verein überwiesen werden: https://www.pro-humanitate-koeln.de/spenden_und_konto/