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Geschichten aus der Nachbarschaft

Ehrenamtliche schenken Menschen in ihrer Umgebung Aufmerksamkeit, Unterstützung und ein offenes Ohr. Unsere NachbarInnen wiederum teilen ihre Lebensgeschichten, ihr Wissen und ihre Erfahrungen.

#teilenmachtmenschlich ist der Leitgedanke von vision:teilen. Auch im Projekt „hallo nachbar!“ – der Nächstenhilfe für vereinsamte und bedürftige Menschen in Düsseldorf – wird intensiv geteilt: Zeit, Leben und Geschichten.

Ehrenamtliche schenken Menschen in ihrer Umgebung Aufmerksamkeit, Unterstützung und ein offenes Ohr. Unsere NachbarInnen wiederum teilen ihre Lebensgeschichten, ihr Wissen und ihre Erfahrungen. Geschichten verbinden – das erleben wir immer wieder. Sie bereichern uns und lehren uns viel über das Leben und die Menschen. In meinen 9 Jahren bei „hallo nachbar!“ durfte ich viele dieser Geschichten miterleben – ein großes Geschenk.

Gerne möchten wir Sie in Geschichten aus unserer Arbeit mit hineinnehmen und Ihnen somit die Arbeit von „hallo nachbar!“ genauer vorstellen. Gleichzeitig suchen wir Menschen, die ihr wertvollstes Gut teilen möchten: ihre Zeit. Schon ab 4 Stunden im Monat kann man sich bei „hallo nachbar!“ engagieren. Das Ehrenamt ist individuell, lokal und flexibel.

Helfen Sie mit, damit Lebensgeschichten in Düsseldorf nicht in Einsamkeit enden, sondern mit „hallo nachbar!“ umgeschrieben werden können.

Marieke Schmale 
Projektleitung „hallo nachbar!“

GESCHICHTEN aus der Nachbarschaft

Wir haben zwei ehrenamtlich Engagierte und ihre Nachbarinnen und Nachbarn begleitet. Erfahren Sie, wie bereichernd diese Unterstützung für beide Seiten sein kann – und wie einfach es ist, in Düsseldorf einsamen Menschen zu helfen und mit kleinen Gesten Großes zu bewirken.

Zwei Nordlichter vereint

Ein freudiges Lächeln aus einem erwartungsvollen Gesicht erwartet mich an der Wohnungstür. Nachdem mich Katharina, unsere Ehrenamtliche, an der Haustür abgeholt hat, klingt mir im ersten Stock eines Mehrparteienhauses in Oberbilk ein gastfreundliches „Hallo, kommen Sie doch gerne herein!“ entgegen. Hildegard (87) empfängt ihren noch unbekannten Gast wohlwollend in ihrer aufgeräumten und stilvoll eingerichteten Mietwohnung. Seit 1985 ist sie hier mittlerweile schon zuhause, berichtet mir Hildegard munter drauflos erzählend. Zuvor habe sie für über 20 Jahre mit ihrem Mann direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite gewohnt: kleiner, beengter und sehr spärlich eingerichtet. Eben das, was zu der Zeit des Einzugs möglich und finanzierbar war.

Denn bereits direkt nach ihrer Ausbildung zur Schneiderin in einem renommierten Fachgeschäft in Frankfurt, hatte es Hildegard ins Rheinland verschlagen. Gebürtig aus der Gemeinde Loccum in Niedersachen nahe dem Steinhuder Meer, wollte diese jedoch den Sprung in die Selbstständigkeit wagen und mutig einen Neuanfang starten. 
Düsseldorf hatte sich dabei in den 1950er Jahren als Modestadt bereits einen Namen gemacht. Und als Schneiderin bot sich hier eine gute Gelegenheit, das Gelernte umzusetzen. Zwar seien die Anfangsjahre recht schwierig gewesen, da noch kein Bekanntenkreis aufgebaut war. Doch durch Mund-zu-Mund-Propaganda sollte sich das über die Zeit ändern und das Geschäft eine positive Entwicklung nehmen. Bis ins hohe Alter von gut 70 Jahren beglückte Hildegard ihre Kundschaft mit maßgeschneiderten Anfertigungen höchster Qualität.

Kaum noch Kontakt in die Heimat

Noch heute ziert eine Nähmaschine aus Gusseisen von 1955 ihren Haushalt. Es sei das letzte Weihnachtsgeschenk ihrer Mutter gewesen. Diese verstarb, als Hildegard 17 Jahre alt war. Ihren Mann hatte Hildegard noch auf der Hochzeit ihrer Cousine in der niedersächsischen Heimat kennengelernt. Der aus Hamm/Westfalen stammende Ingenieur folgte seiner großen Liebe in die Landeshauptstadt am Rhein. Mehr als 40 Jahre waren sie verheiratet, ehe er 2001 verstarb. Zur Familie in Niedersachsen gibt es so gut wie keinen Kontakt mehr. Der letzte Besuch in der Heimat war vor gut zwölf Jahren auf der Beerdigung des Vaters. Der gut drei Jahre jüngere Bruder von Hildegard wurde 2022 zu Grabe getragen. Zu Schwägerin und Neffe gibt es leider kein gutes Verhältnis, das elterliche Bauern- und Wohnhaus wurde mittlerweile in Ferienwohnungen umgebaut.

Zwei Niedersachsen haben sich gefunden

Umso passender, dass auch unsere Ehrenamtliche Katharina aus Niedersachsen stammt. Seit knapp zwei Jahren kennen sie sich und treffen sich alle zwei Wochen zu einem gemütlichen Plausch bei Kaffee und Kuchen. Dabei wirken die beiden sehr vertraut und harmonisch. Im Breidenbacher Hof oder auch im Café Heinemann auf der Kö sei sie früher gerne eingekehrt, verrät mir Hildegard. Von letzterem sei auch der leckere Käsekuchen, den ich probieren darf. Nach unserem Austausch verlasse ich gut gesättigt die fröhliche Runde und denke mir, dass sich hier die richtigen Zwei gesucht und gefunden haben.

Die meisten „Nachbar:innen“ bei „hallo nachbar!“ haben keine oder nur entfernte Angehörige, teils auch abgebrochene Kontakte. Ehrenamtliche werden daher oft zu wichtigen Vertrauenspersonen, und manchmal entstehen beinahe familienähnliche Beziehungen. Gleichzeitig bietet das Projekt ein breites Netzwerk, damit sich niemand zu sehr auf eine einzelne Person stützt.

Kontakt zur „hallo nachbar!“

Sind sie einsam oder kennen jemanden, der 
einsam ist und Hilfe braucht?

Möchten Sie sich ehrenamtlich engagieren und anderweitig unterstützen? Dann melden Sie sich gerne bei uns!

Tel.:  0211 15 30 60
Mail: hallo-nachbar(at)vision-teilen.org