Update: Die Situation in Ostafrika

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vision:teilen Projektreferentin Manuela Vollbrecht vor Ort

Zur Unterstützung der Hungernden in den ostafrikanischen Ländern Kenia, Äthiopien und dem Süd- Sudan hat vision:teilen seit Anfang des Jahres verschiedene Soforthilfemaßnamen im Bereich Ernährungssicherung unterstützt.

Unsere Projektreferentin für Auslandsprojekte Manuela Vollbrecht reiste vom 20.07-03.08.2017 zu unseren Partnern vor Ort, um sich ein aktuelles Bild von der Lage zu machen und um die Partner bei der Planung neuer Hilfsprojekte zu beraten. Ihre Eindrücke, schildert sie in einem kurzem Reisebericht. Darin schreibt sie:


> vision:teilen Projektreferentin Manuela Vollbrecht mit unserem Partner Titus Walela

Die Situation in Ostafrika hat sich bisher nicht entspannt, sondern verschärft sich zunehmend. Sowohl Regierungen als auch die UN stehen vor einer enormen Herausforderung. Die Ursachen für das Problem sind vielfältig.

  • Hauptauslöser für den Hunger ist die diesjährige sehr starke Dürre in der Region mit verheerenden Einbußen bei den Ernten. Nach der ausgeblieben Regenzeit im vergangenen Winter und einer sehr schlechten Regenzeit von März bis Mai, die zu wenig Niederschlag gebracht hat, sind die letzten Ernten vertrocknet.
  • Diese Situation wird verschärft durch die Nachwirkungen der Trockenheit des letzten Jahres, von der sich die Region noch nicht wieder erholen konnte, und auch die staatlichen Nahrungsmittelreserven in der Region immer weiter aufgebraucht werden.
  • Dies führt zu einer sinkenden Kaufkraft der Bevölkerung, da ein großer Teil von der Landwirtschaft lebt und somit keine Einnahmen erzielt werden.
  • Ein in Folge dessen starkes Ansteigen der Nahrungsmittelpreise durch die enorme Nachfrage und die sehr geringe Verfügbarkeit führt gerade für die ärmeren Teile der Bevölkerung zu weiterer Nahrungsmittelknappheit.
  • Hinzu kommt ein seit kurzem auch in Afrika aufgetauchter Parasit, der sogenannte Heerwurm. In den vergangenen Jahren hat dieser aus den USA importierte Parasit bereits die Bauern in Westafrika zur Verzweiflung getrieben. Dieses Jahr ist er erstmals in Äthiopien aufgetreten und richtet großen Schaden in Kenia an. In Folge von großer Trockenheit breitet sich diese Mottenlarve besonders aus. Feuchtigkeit hingegen und eine starke Regenzeit verhindert die Ausbreitung des Parasiten. Die aktuelle Situation begünstigt die Vermehrung und die Länder stehen nun einer weiteren Herausforderung gegenüber.


>  Manuela Vollbrecht bei der Projektanalyse mit Rafael Mangiti in Karungu

Ein Schwerpunkt der Reise war Kenia. Ein Großteil seiner kenianischen Projekte hat vision:teilen in der Region um den Lake Victoria, insbesondere in der Provinz Nyanza. Auch diese eigentlich noch sehr fruchtbare Region ist dieses Jahr von der Dürre stark betroffen. Mais, Sonnenblumen, Sorghum und teilweise sogar Obstbäume vertrocknen. Die diesjährige Ernte in der Region ist bereits verloren.

Das Wasser des Lake Victorias zu nutzen ist verboten, hier ist nur die Nutzung von geringen Mengen erlaubt, und dies nur, wenn  eine Konzession ausgehändigt wurde, was streng geprüft wird. Somit bringt das Wasser des Sees nur für wenige Menschen eine Entlastung von der Dürre. Dies gilt auch für das Gemüse, das teilweise entlang des Sees angebaut wird.  Die nächste Erntezeit wird erst wieder im kommenden Jahr im März sein. Bis dahin werden die Preise voraussichtlich weiter steigen und den Kauf der lebenswichtigen Lebensmittel für viele unerschwinglich machen. Zudem drückt die Situation auf die Devisenreserven des Landes. Denn derzeit werden bereits viele Lebensmittel importiert, vor allem Mais aus Mexiko.

Angesichts dieser Notsituation hat vision:teilen seit Anfang des Jahres verschiedene Projekte in der Region mit Soforthilfemaßnahmen im Bereich Ernährung unterstützt, um an verschiedenen Stellen der notleidenden Bevölkerung eine Überlebensmöglichkeit zu geben.


> Vertrocknetes Sonnenblumenfeld deren Kerne der Ölgewinnung dienen sollten

Nach Kenia war das Ziel der Weiterreise Äthiopien, wo ebenfalls vision:teilen mit Projekten der Überlebenshilfe befasst ist. Nicht besucht werden konnte diesmal Südsudan, wo vision:teilen ebenfalls verschiedene Projekte zur Linderung der Not unterhält.

Nachfolgend nun einige der Projekte, von denen in Kenia und Äthiopien die meisten besucht wurden. Sie machen deutlich, wo vision:teilen versucht, gerade denen zu helfen, die unmittelbar in ihrer  Existenz durch den Hunger bedroht sind oder Gefahr laufen, dauerhafte Schäden durch den Lebensmittelmangel und die damit einhergehende Fehlernährung davonzutragen. 


> Nahrungsmittelsoforthilfe bei Turkana-Familien

Kenia

In der Region um den Lake Victoria hat Vision:teilen seit Beginn des Jahre 12 Projekte zur Finanzierung von Lebensmitteln unterstützt. Es handelt sich hier um Schulspeisungsprogramme. Die finanziellen Mittel fehlen, da die Preise für Nahrungsmittel stark gestiegen sind, die Eltern generell keine oder momentan keine Schulgebühren zahlen können. Die meisten Familien bestreiten ihren Lebensunterhalt durch die Bewirtschaftung von Land, Viehzucht oder Fischfang. All diese Bereiche sind durch die Dürre stark betroffen. Mit der Finanzierung der 12 Projekte wurden 2589 Kinder begünstigt, die unter den Auswirkungen der Dürre leiden. Ziel ist, die Kinder trotz der Krisensituation weiterhin zu unterrichten und Gesundheitsschäden aufgrund der unzureichenden Ernährung zu vermeiden. Eine Mahlzeit in der Schule ist für viele Familien ein wichtiger Grund, die Kinder in die Schule zu schicken.


> Kinder in einer Schule in Karungu

 

Äthiopien

In Äthiopien arbeiten wir u.a. mit Abba Johannes Matiwos zusammen. Er ist langjähriger Partner von vision:teilen. Die Kleinstadt Debiti in der Abba Johannes lebt und arbeitet, zählt ca 30.000 Einwohner und liegt in der  Region Oromo in der Haraghe-Zone. Die Stadt liegt weit entfernt von Straßen, der Zugang zu Wasser ist sehr problematisch.


> Ein Teil der Ortschaft Debiti

Haupteinnahmequelle für die Bevölkerung ist die Landwirtschaft. Die Bevölkerung findet zu einem großem Teil in der Landwirtschaft als Taglöhner ein recht dürftiges Auskommen. Die Hauptanbauprodukte für die Dorfbewohner sind Sorghum und Mais. Durch die Dürre in diesem und im vergangenen Jahr hat die landwirtschaftliche Produktion jedoch einen großen Einbruch erlitten, die Arbeitsmöglichkeiten haben enorm abgenommen, Vieh ist verhungert und die Nahrungsmittelpreise sind in die Höhe geschnellt.


> Vertrocknetes Sorgum Feld in Debiti

Insgesamt werden 192 der ärmsten Familien von dem Nothilfeprojekt unterstützt, bei dem es hauptsächlich um den Zukauf und die Verteilung von Sorghum, einem der Grundnahrungsmittel, geht. Neben der Überlebenssicherung geht es zugleich darum, denen, die können, eine durch Nahrungsmittel entlohnte gemeinnützige Arbeit zu geben, die der Entwicklung zugute kommt (z.B. bei der Verbesserung der Zugangsstraßen).


> Im Gespräch mit Yohannes Matiwos


> Kinder aus Debiti vor einer traditionellen Behausung


> Besichtigung von Schulräumen in Debiti

Südsudan

Während des nun schon drei Jahre dauernden Bürgerkriegs, in dem sich die bewaffneten Gruppen der Nuer und anderer Stämme  den Soldaten der Dinka-Regierung von Präsident Kiir im Südsudan gegenübersehen, ist es vor allem in der Zeit vom Dezember 2016 bis Januar 2017 in verschiedenen Teilen der Diözese Tombura Yambio und besonders in der Lii-Rangu Gemeinde, 12 Meilen/19 km von der Nzara Gemeinde entfernt, zu schweren Vertreibungen der Bevölkerung  gekommen. Die meisten der Häuser wurden zusammen mit den Habseligkeiten der Menschen: Kochutensilien, Kleidung und Nahrungsmittelvorräten, niedergebrannt. Dies hat nicht nur die Neuvertriebenen, sondern auch viele andere Binnenflüchtlinge, von denen zuvor schon viele in Nzara Zuflucht gesucht hatten, in extreme Not gebracht, und sie suchen vor allem Hilfe bei der Kirche. Die notwendigste Unterstützung besteht momentan daher darin, diese Menschen mit Nahrungsmitteln und mit Schutz gegen die Kälte der Nacht zu versorgen. Auf seine Bitten hin helfen wir unserem langjährigen Partner und Generalvikar der Diözese  Anthony Bangoye mit den erforderlichen finanziellen Mitteln, um die erforderlichen  Nahrungsmittel für die Überlebenshilfe für ca. 100 Haushalte, inbegriffen vieler Kinder, Waisen und alleinstehende Mütter, zu beschaffen und an diese Haushalte zu verteilen.

 

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