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Unser Partner Samuel Hakim aus Uganda berichtet über die Ursachen und Folgen

Er hat einen ungewöhnlichen Lebensweg hinter sich. Im Süden Sudans aufgewachsen, ging er schon früh nach Uganda, aber nicht um sich bessere wirtschaftliche Chancen zu eröffnen. Sein Ziell war es, als überzeugter Christ sich den Orden der Kapuziner anzuschließen, die ihn immer durch die Nähe zum einfachen Volk beeindruckt hatten. Heute ist er als Kapuzinerpater im Norden Ugandas tätig, wo ihn die Flüchtlingskrise seiner Landsleute so zusagen "erreicht". Er hatte schon mehrere Projekte mit vision:teilen, aber erstmals geht es in diesem Jahr um seine geflüchteten Landsleute aus dem jungen Staat Südsudan. Dieser hat sich im Jahr 2011 nach blutigen Kämpfen von Sudan getrennt hat. Heute ist der Südsudan selber Schauplatz vielfältiger blutiger Machtkämpfe und zugleich Opfer einer Naturkatastrophe, der Ausgedehnten Dürre, die in Folge des "El-Nino"-Wetterphänomen zur Zeit ganz Ost Afrika im Griff hat. Vision:teilen hat ihn zu den Folgen dieser doppelten Katastrophe seiner Landsleute befragt.

VT: Bruder Hakim, Sie arbeiten als Kapuziner im Norden Ugandas. Geboren wurden sie allerdings im Südsudan. Welcher ethnischen Gruppe gehören Sie an? Wann und warum haben Sie den Südsudan verlassen?

Br. Hakim:  Ich bin ein religiöser Bruder durch die Kirche gesegnet und habe mein religiöses Leben der gesamten Kirche und dem evangelischen Zeugnis der Welt gewidmet. Ich arbeite seit 2007 in Nord Uganda in der Katholischen Diözese von Nebbi. Ich habe den Südsudan 2007 aufgrund des Krieges verlassen und bin durch die Missionsarbeit nach Nord Uganda gelangt. Ich gehöre der ethnischen Gruppe der Lokoya an, die aus dem Staat Zentral Equatoria (Juba) kommen.

VT: Wir erleben momentan einen Massenexodus aus dem Südsudan mit vielen Flüchtlingen, die nach Uganda kommen. Was sind aus ihrer Sicht die Gründe hierfür?

Br. Hakim: Viele Menschen flüchten derzeit aus dem Südsudan nach Uganda aufgrund des Krieges, Massenermordungen, Vergewaltigungen von Frauen und jungen Mädchen durch staatliche Soldaten und Rebellen gleicherweise, einem großen Mangel an Lebensmitteln und Wasser, vorrangig in den ländlichen Gebieten, ein Fehlen von Bildungsmöglichkeiten sowie die eingeschränkte Rede- und Ausdrucksfreiheit gegen diese Missstände. Die aktuelle Regierung Südsudans ist an der Führung und Leitung des Landes gescheitert. Der Präsident hat die Spaltung zwischen vielen Südsudanesischen Stämmen weiter verschärft, eine friedliche Zusammenführung dieser, wie gehofft, ist nicht gelungen. Deshalb fordern die Bürger den Rücktritt des Präsidenten und hoffen darauf, dass dies zu einem baldigen Ende des Konfliktes führt.

"Es macht traurig, die Menschen weinen zu sehen, weil es kein Wasser gibt, um die Babynahrung ihres Kindes herzurichten."

VT: Viele der Flüchtlinge sind traumatisiert und erschöpft. Warum denken Sie kommen die Flüchtlinge nach Uganda, statt in Ihren Heimatregionen zu bleiben?

Br. Hakim: Viele Menschen entscheiden sich dafür nach Uganda zu kommen aufgrund der Sicherheitslage, der Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser sowie der Bildungsmöglichkeiten ihrer Kinder. Uganda ist in der ostafrikanischen Region eins der besser gestellten Länder. Derzeit ist die Wirtschaft im Südsudan durch den Krieg komplett zusammengebrochen und das Land ist bankrott. Die lebensbedrohliche Lage (durch Massenmorde und Vergewaltigungen) sowie die verwüsteten und abgebrannten Orte, machen das Rückkehren in die Region für viele Menschen derzeit möglich nicht.

VT: Die Menschen brauchen sofort Hilfe, vom Ersatz für verseuchtes Wasser angefangen bis zu einem notdürftigen Dach über dem Kopf, von Lebensmitteln bis zur Bekleidung und natürlich Arbeit, die Einkommen bringt. Wie soll das alles klappen?

MA: Tatsächlich sind die Menschen sehr auf Hilfe angewiesen, und zwar auf Soforthilfe, wobei die folgenden Aktionen Vorrang haben müssen: das Trinkwasser, die Nahrungsmittel,
Kleidung, ein Dach über dem Kopf, um sich zu schützen. All das kann man nicht auf einmal schaffen. Der Staat kann derzeit keine entlohnte Arbeit anbieten. Gebe Gott, dass man Arbeitsangebote schaffen kann, damit diese Leute nach und nach für sich selbst sorgen können, ohne das Gefühl zu haben, auf die Hilfe karitativer Personen angewiesen zu sein.
Das erfordert seitens der Regierung und seitens karitativer Personen viel Sensibilität.

VT: Kennen Sie selbst die Situation in den Flüchtlingslagern und Menschen dort? Was erwarten diese von der Zukunft? Glauben sie, dass es eine realistische Chance für eine Rückkehr in den Südsudan gibt?

Br. Hakim: Ich weiß, dass es viele Flüchtlingscamps in Uganda für die Menschen aus dem Südsudan gibt, die vor dem Konflikt geflohen sind. Die Menschen warten in den Camps darauf, dass es wieder Frieden gibt und sich die Situation stabilisiert, um zurückgehen zu können. In den Camps herrschen harte Lebensbedingungen.

VT: Wir hören hier auch von der extremen Trockenheit in großen Teilen des Südsudans. Warum ist diese so stark und warum sterben so viele Menschen daran

Br. Hakim:  Tausende von Menschen sterben am Wasser- und Lebensmittelmangel. Durch den Zusammenbruch der Wirtschaft haben die Menschen kein Einkommen um Lebensmittel zu kaufen, die Felder konnten durch die Flucht nicht bestellt werden, wodurch es keine Eigenproduktion gibt und der Zusammenbruch der Wirtschaft und gesamten Infrastruktur, die schlechte generelle Sicherheitslage im Land und die derzeitige sehr starke Dürre tun das Übrige.

VT: Was denken Sie bedeutet  diese Flüchtlingswelle für die Bevölkerung Ugandas, die nahe der Grenze lebt.  Wird es die lokale Wirtschaft beeinflussen?

Br. Hakim: Die Wirtschaft Ugandas wird sicher durch die Flüchtlingsströme beeinflusst werden. Aber das wird die Zukunft zeigen.

VT: Könnten wir von Deutschland zur Verbesserung der Situation der Flüchtlinge und der lokalen Bevölkerung beitragen? Können wir überhaupt einen Beitrag leisten?

Br. Hakim. Ja, es gibt viel, was von deutscher Seite getan werden kann um zu der Situation positiv beizutragen. Als wichtigstes Feld sehe ich die Unterstützung vom und Investition in den Bereich Bildung.

VT: Lieber Bruder Hakim, vielen Dank für das Interview über die Distanz und ihr Engagement für die lokale Bevölkerung und die Flüchtlinge. Möge Gott Sie unterstützen eine Lösung für diese komplizierte Situation zu finden!

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