Nothilfe für Peru

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Unsere Projektkoordinatorin Schwester Adelaida aus berichtet über den Notstand

Sie ist uns allen wohl bekannt. „Madre Adelaida“, wie die Schwester vor Ort gerufen wird, ist schon lange mit vision:teilen verbunden. Schon, als sie noch Generaloberin ihrer franziskanischen Kongregation war, hatte es sie gepackt: Sie wollte bei denen sein, die unsere Hilfe am dringendsten brauchen und über die so viele auch vor Ort die Nase rümpfen: den Kindern des „Pinienhügels“, einer der wild gewachsenen Slumsiedlungen an den Hängen der Sand- und Steinhügel am Rande von Lima, ehe es auf unendlich vielen Serpentinen zur Hochebene des Altiplano hinauf geht. Madre Adelaida kennt das Los der kleinen Leute, der Kinder ohne Frühstück und Mittagessen, der alleinstehenden Frauen ohne Arbeit, und sie liebt diese Menschen. Was aber jetzt durch die Flut geschehen ist, ist für sie kaum noch zu fassen. Und ihre Reaktion immer wieder: „Wir brauchen Euch! Gerade jetzt!“

VT: Madre Adelaida, Sie kennen die Situation der Slums und der prekären Behelfshütten vieler Menschen in den verschiedenen Teilen des Landes. Wie hat sich dort das Jahrhundert-Unwetter ausgewirkt?

MA: Ich kenne die Wirklichkeit der Menschen, die in den Slums der Städte wohnen. Sie leben in ganz prekären Hütten. Viele Bewohner kommen aus dem Landesinneren. Sie sind auf
der Flucht in die großen Städte gekommen. Viele sind Opfer des „Leuchtenden Pfades“, einer Guerilla-Organisation, die ihnen das Ackerland weggenommen hat. Vor allem im Süden ist die Küste – und ich denke z.B. an Lima und Umgebung – sehr trocken. Es regnet so gut wie nie. Sobald es also zu wolkenbruchartigem Regen kommt, wie wir ihn jetzt haben, zerstört der Regen alle Wohnbereiche und all die Habe der Leute. Es tut sehr weh zu sehen, wie auch in Lima der Fluss, der durch die Intensität des Regens über
die Ufer getreten ist, alles mit sich gerissen hat: Hütten und Häuser, persönliche Gegenstände, Tische usw. Die Trauer und der Schmerz dieser Menschen, die alles verloren haben, ist sehr groß.

VT: Es ist von dem Verlust vieler Menschenleben die Rede, und noch viel mehr Menschen haben alle ihre Habseligkeit einschließlich der Hütten verloren...

MA: Ca. 80 Personen haben nach offiziellen Daten bisher ihr Leben verloren, über eine halbe Millionen Menschen sind direkt betroffen, und es gibt bis zu 100.000 zerstörte Häu-
ser. Es sind Menschen, die die Regenschauer ungeschützt im Freien über sich ergehen lassen müssen, denn sie haben kein Dach über dem Kopf. Es tut sehr weh, so viele Menschen zu
sehen, die nichts mehr haben, die keine Kleidung haben, kein Dach über dem Kopf und nichts zum Essen

"Es macht traurig, die Menschen weinen zu sehen, weil es kein Wasser gibt, um die Babynahrung ihres Kindes herzurichten."

Was am meisten Sorge macht, ist der Mangel an Trinkwasser. Es macht traurig, Mütter weinen zu sehen, weil es kein Wasser gibt, um die Babynahrung ihres Kindes herzurichten. Es gibt weder Wasser zum Kochen noch um sich zu waschen noch um zu trinken, denn alles Wasser ist verseucht. Die Abwasserkanäle, die die Abfälle und menschlichen Exkremente mit sich führen, sind in die Flüsse übergelaufen. Die für die Trinkwasserversorgung zuständige Institution hat die Trinkwasserversorgung eingestellt. Das Problem verschärft sich noch, denn in den Märkten und Geschäften gibt es kein Wasser in Flaschen mehr, und das Wenige, das es gibt, kostet ungeheuer viel. Dieser Preis ist für die Armen unerschwinglich.

VT: Und was macht die Regierung...?

MA: Bis jetzt reicht die Hilfe der Regierung nicht aus. Der Staat ist nicht in der Lage, das Lebensnotwendige für die Menschen bereit zu stellen. Das größte Problem sind die nicht nutzbaren, zerstörten Hauptverkehrsadern. Dadurch können die dringend benötigten Nothilfen nicht zu den mittlerweile abgeschnittenen Dörfern gebracht werden. Es bewegt einen sehr, zu hören, wie so viele Menschen über Hunger, Durst und die Insektenplage klagen, die ihre Gesundheit angreift.

VT: Die Menschen brauchen sofort Hilfe, vom Ersatz für verseuchtes Wasser angefangen bis zu einem notdürftigen Dach über dem Kopf, von Lebensmitteln bis zur Bekleidung und natürlich Arbeit, die Einkommen bringt. Wie soll das alles klappen?

MA: Tatsächlich sind die Menschen sehr auf Hilfe angewiesen, und zwar auf Soforthilfe, wobei die folgenden Aktionen Vorrang haben müssen: das Trinkwasser, die Nahrungsmittel, Kleidung, ein Dach über dem Kopf, um sich zu schützen. All das kann man nicht auf einmal schaffen. Der Staat kann derzeit keine entlohnte Arbeit anbieten. Gebe Gott, dass man Arbeitsangebote schaffen kann, damit diese Leute nach und nach für sich selbst sorgen können, ohne das Gefühl zu haben, auf die Hilfe karitativer Personen angewiesen zu sein.
Das erfordert seitens der Regierung und seitens karitativer Personen viel Sensibilität.

VT: Wir wünschen der Regierung allen Erfolg in dieser Not. Aber wird dies reichen?

MA: Ich stimme mit Ihnen überein, dass sich das Land Peru im Notstand befindet, denn viele Dörfer sind von der Umwelt ab -geschnitten. Sie leiden schwer, haben Hunger, Durst und kein Dach über dem Kopf. Der Staat kann in diesem Moment nicht genügend helfen. Von daher ist die internationale Hilfe sehr wichtig. Was Deutschland in diesem Moment machen muss, ist wirtschaftliche Hilfe zu leisten um unserer Bevölkerungen zu helfen. Ich denke, die Sensibilität angesichts der Schmerzen unserer Brüder und Schwestern ist ganz wichtig. Es tut auch sehr weh, die Erfahrung am eigenen Leib zu machen. 15 Tage ohne Trinkwasser, hungernd und mit der Angst, kein Dach über dem Kopf zu haben, zu leben. Sie müssen unbedingt dem peruanischen Volk helfen!

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Schwester Madre Adelaida

Projektkoordinatorin Peru

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