Interview mit unserem Partner Raphael Mangiti

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Darstellung der aktuellen Situation in Kenia

Lieber Father Raphael, wir freuen uns Sie einmal wieder hier bei uns in Düsseldorf begrüßen zu dürfen. Sie sind einer unserer ältesten Partner. Seit wann kennen Sie Br. Peter bzw. unseren Verein vision:teilen?

Ich kenne Br. Peter nun seit 17 Jahren, seit dem Jahr 2000. In dieser Zeit hat er noch für die Missionszentrale Bonn gearbeitet. Wir haben uns bei einem Besuch von ihm in Kenia kennengelernt. Mit vision:teilen arbeite ich seit seiner Gründung zusammen.

Erzählen Sie uns doch etwas über die Jahre der Zusammenarbeit?

Die letzten Jahre unserer Zusammenarbeit waren sehr positiv und erfolgreich. Unsere Arbeitsbeziehung zeichnet sich durch viel Respekt und Aufrichtigkeit aus, denn wir arbeiten vor allem als Brüder zusammen,  nicht nur als Partner. Ich habe die Zusammenarbeit immer sehr geschätzt und genossen und dies ist ein Grund dafür weshalb ich jedes Jahr aufs Neue nach Düsseldorf komme. Ich fühle mich tief verwurzelt und herzlich willkommen an diesem Ort.

Was führt Sie dieses Mal nach Europa und besuchen Sie auch noch andere Länder oder bleiben Sie hier in Deutschland?

Dieses Mal bin ich aus zwei Gründen hier in Europa: Zum einen um das Büro von vision:teilen hier in Düsseldorf zu besuchen, zum anderen um einige Zeit der Erholung zu genießen, da ich vor kurzem das Amt als Regionaloberster meines Ordens abgegeben habe. Zusätzlich habe ich einige Brüder in Italien besucht, die fast 50 Jahre mit uns zusammen in Kenia gelebt haben und die nun aus Altersgründen oder wegen Krankheiten nach Italien zurückgekehrt sind. Dies sind in diesem Jahr meine Reisegründe. Neben Deutschland besuche ich also auch noch Italien.

 

Kenia ist eines unserer Schwerpunktländer. Dieses Jahr haben wir vor allem Notfallprojekte im Bereich der Ernährungssicherung unterstützt. Können Sie uns kurz erläutern wieso die Nahrungsmittelkrise in Kenia sich in diesem Jahr so zugespitzt hat? Was sind die Hintergründe?

Die Nahrungsmittelknappheit war das Resultat einer schweren Trockenheit. Kenia hat in diesem Jahr eine Dürre erlebt, durch welche viele Tiere und Menschen zu Tode gekommen sind. Zusätzlich konnten keine Ernten erzielt werden, da das Getreide auf den Feldern vertrocknet ist. Als Folge sind die Preise in der ganzen ostafrikanischen Region extrem gestiegen, was den Zukauf von Nahrungsmitteln, der ohnehin sehr armen von Landwirtschaft lebenden Bevölkerung zu einer großen Herausforderung macht.  Deshalb haben wir uns entschlossen thematisch andere Projekte zunächst zurückzustellen und in diesem Jahr einen Fokus auf Soforthilfemaßnahmen im Bereich der Ernährungssicherung, vor allem der Schulspeisung, zu setzen.

Ist die Dürre und ihre Folgen denn nun überstanden?

In den meisten Regionen in Kenia ist die Dürre vorüber, aber einige wenige Regionen leiden noch immer unter Trockenheit. Diese Regionen sind der Nord-Osten des Landes sowie die Gebiete um den Lake Victoria.

Was denken Sie sind die wichtigsten Maßnahmen die erhoben werden sollten um für solch schwere Dürren in Zukunft besser gerüstet zu sein?

Die wichtigsten Maßnahmen die erhoben werden sollten sind, denke ich, die folgenden drei Punkte:

  1. Ein verbessertes Auffangen von Regenwasser während der Regenzeit
  2. Eine sparsame Wassernutzung, um jegliche Vergeudung  zu vermeiden
  3. Sowie bessere allgemeine Umweltschutzmaßnahmen

Neben Einkommensschaffenden Maßnahmen, Nothilfe- und weiteren Kleinstprojekten unterstützt vision:teilen in Kenia auch durch eine weitere Programmlinie, die Mikrokreditprojekte. Können Sie kurz erläutern, worum es sich bei diesen Projekten handelt und wieso diese Projekte gerade für die Förderung von Frauen einen so wichtigen Beitrag leisten?

Die Projekte selbst sind sehr bedeutend.  Bei den Mikrokreditprojekten wird den Frauen ein kleines „Start-Kapital“ zur Verfügung gestellt durch welches die Frauen eine Business Idee verwirklichen können. Wenn das Geschäft anläuft (hier kann es sich um eine kleine Bäckerei, einen Kiosk, den Kauf von einer Nähmaschine um Näharbeiten zu verrichten etc.), soll das Geld nach und nach zurückgezahlt werden. Natürlich müssen die Frauen, um das anfängliche Kapital zu erhalten einen gut ausgearbeiteten Businessplan vorlegen, bei dessen Erarbeitung wir sie unterstützen. Die Idee dahinter ist, dass die Projekte eine transformative Wirkung erzielen in dem Sinne, dass sie das Leben der Begünstigten verändert und zwar ihr Denken und ihr Verhalten. Diese Projekte können als Veränderungsprozess gesehen werden, sie stellen kein einmaliges Ereignis dar. Sie benötigen Zeit um komplett verstanden und umgesetzt zu werden. Die Projekte sind sehr hilfreich für die Frauen, da die Frauen durch die Projekte finanziell unabhängig werden und viel Selbstvertrauen gewinnen können.

Die politische Situation in Kenia war in den letzten Monaten nicht gerade leicht. Der Grund sind mit den letzten Wahlen verbundene Unruhen im Land. Würden Sie kurz erklären, was genau passiert ist?

Politisch ist Kenia momentan nicht sehr stabil. Während der letzten Wahlen in Kenia gab es Betrugsvorfälle, weshalb das Oberste Gericht die Wahl für rechtsungültig erklärte. Dies ist im Grunde ein positiver Schritt und wir hoffen nun auf freie und faire Neuwahlen. Trotzdem hat der Schritt zu einem momentanen Stillstand des Landes geführt, alle warten auf die Ergebnisse der Neuwahlen.

An dem Tag nach Ihrer Rückkehr werden in Kenia die Wahlen wiederholt werden. Was erwarten und wünschen Sie sich Sie für die Zukunft Ihres Landes und an das zukünftige Staatsoberhaupt? 

Ich persönlich wünsche mir einen Führungswechsel hin zu einer Regierung, die alle Menschen respektiert und alle Volksstämme in die Politik miteinbezieht. Ich wünsche mir ein vereinigtes Kenia, friedlich und ohne Korruption!

Herzlichen Dank, dass Sie diese Einblicke und Ihre Meinung mit uns geteilt haben. Wir wünschen Ihnen eine gute Rückreise!

Vielen Dank für den herzlichen Empfang bei vision:teilen

 

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